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Ratgeber

Schweizer Musikverbände und Förderstellen beraten, zahlen, kassieren

Für jede Geldfrage in der Musik gibt es eine Stelle. Wer bei Gagen hilft, wer Projekte fördert und wer für dich Geld einzieht.

Ruedi Baumberger · 5 Min. Lesezeit

Für jede Geldfrage in der Musik gibt es eine Adresse. Gagen und Verträge: SONART, SMV und SIG. Geld für Projekte: Stiftungen wie die Fondation SUISA oder Pro Helvetia. Geld aus der Nutzung deiner Musik: SUISA und Swissperform. Dazu kommen Dachverbände für Vereine und Verbände der Branche.

Wer vertritt mich bei Gagen und Verträgen?

SONART nennt sich den grössten Berufsverband für Musiker:innen der Schweiz.[1] Er vertritt Musikschaffende in Politik und Gesellschaft.[1] Mitglieder bekommen Beratung zu Finanzen, Karriere und Versicherungen.[1]

Von SONART stammen auch Honorarempfehlungen. Die Stufen heissen MinimumPay und FairPay.[1] Verbindliche Mindestgagen sind das nicht, betont der Verband.[1] Sie dienen als Verhandlungsgrundlage. Und als Basis für Budgets in Fördergesuchen.[1]

Der SMV ist die Gewerkschaft der Musiker:innen.[2] Er vereint Mitglieder der Berufsorchester und freischaffende Profis aller Stilrichtungen.[2] In Orchestern handelt er Gesamtarbeitsverträge aus.[2] Für Freischaffende gibt es Verträge und Tarifordnungen.[2] Mitglieder erhalten Rechtsberatung und Rechtshilfe.[2]

Die SIG (Schweizerische Interpretengenossenschaft) ist für ausübende Musiker:innen da. Sie berät kostenlos, wenn Darbietungen aufgezeichnet und ausgewertet werden.[3]

Wo bekomme ich Geld für Aufnahmen, Tour oder Export?

Am Anfang steht eine Suche. kulturfoerderung.ch verzeichnet Förderadressen aus dem privaten und öffentlichen Sektor.[4] Betrieben wird die Datenbank vom Bundesamt für Kultur und vom Migros-Kulturprozent.[4]

Die Fondation SUISA fördert aktuelles Musikschaffen aus der Schweiz und Liechtenstein.[5] Sie unterstützt Projekte von Urheber:innen und Interpret:innen.[5] Bedingung: Dritte haben kein kommerzielles Interesse daran.[5]

Pro Helvetia fördert professionelles aktuelles und zeitgenössisches Musikschaffen.[6] Es gibt Beiträge für neue Werke.[6] Und für Festivals im Ausland mit Bands aus der Schweiz.[6] Tourneen innerhalb der Schweiz unterstützt Pro Helvetia nicht.[6]

Swiss Music Export unterstützt Aktivitäten im Ausland.[7] Der Fokus liegt auf Europa und auf Pop im weitesten Sinn.[7] Stand Oktober 2026 gibt es höchstens 1'500 Franken pro Gesuch.[7] Für eine reine Auslandtour verweist SME auf Pro Helvetia, Fondation SUISA und SIS.[7]

Die SIS (Schweizerische Interpretenstiftung) unterstützt Auftritte und Tourneen.[8] Sie zahlt Beiträge an Weiterbildungen. Und sie hilft in finanziellen Notlagen.[8] Das Angebot gilt für Interpret:innen, Profis wie Laien.[8]

Die Stiftung Phonoproduzierende fördert nur Projekte, die Tonträger im Kulturleben stärken.[9] Direkte Beiträge an eine Aufnahme zahlt sie in der Regel nicht.[9]

Die Stiftung für Radio und Kultur Schweiz fördert Projekte rund ums Radio.[10] Bedingung ist ein direkter Bezug zu Radio und Kultur in der Schweiz.[10] Dazu zählen Sendungen, Produktionen und Wettbewerbe.[10]

Das Migros-Kulturprozent vergibt Förderbeiträge an kulturelle und gesellschaftliche Initiativen.[11]

Die CMA Stiftung ist für aktuelle Musik in der Westschweiz da.[12] Sie bietet Förderprogramme, Beratung, Kurse und Vernetzung.[12]

Wer zieht für mich Geld ein?

Das machen SUISA und Swissperform, zwei Verwertungsgesellschaften (sie ziehen Vergütungen ein und verteilen sie an die Berechtigten).[13]

Die SUISA vertritt Urheber:innen und Verleger:innen. Wer komponiert oder textet, schliesst mit ihr einen Wahrnehmungsvertrag ab.[14] Dann zieht sie Geld ein, wenn die Musik gesendet, aufgeführt oder vervielfältigt wird.[14] Deine Werke meldest du der SUISA selbst an.[14]

Swissperform vertritt die Leistungsschutzrechte. Gemeint sind die Rechte von Interpret:innen, Labels, Filmproduzierenden und Sendern.[13] Geld fliesst bei Zweitnutzungen dieser Leistungen.[13]

Hier kommt die SIG wieder ins Spiel. Swissperform hat einzelne Verteilarbeiten an sie delegiert.[13] Läuft deine Darbietung im Radio oder TV, meldest du die Sendung bei der SIG.[3]

Welcher Dachverband gehört zu meinem Verein?

Die Laienmusik hat eigene Dachverbände.

Der Schweizer Blasmusikverband vereint 30 Verbände mit 1'972 Vereinen.[15] Er nennt sich den grössten Amateurverband der Schweiz.[15] Im Fürstentum zählt der Liechtensteiner Blasmusikverband zehn Vereine.[16]

Die Schweizerische Chorvereinigung SCV ist die Dachorganisation der weltlichen Gesangvereine.[17] Sie umfasst rund 1'357 Chöre.[17] Für die Chöre gibt es einen SUISA-Gesamtvertrag und Musterverträge.[17]

Der Eidgenössische Jodlerverband steht für Jodeln, Alphorn- und Büchelblasen sowie Fahnenschwingen.[18] Er bietet Aus- und Weiterbildungen an.[18]

Der Eidgenössische Orchesterverband ist der Verband der Laienorchester im Bereich E-Musik.[19] Rund 190 Orchester sind Mitglied, darunter etwa 40 Jugendorchester.[19] Er erleichtert ihnen die Abrechnung mit der SUISA.[19]

accordeon.ch ist der Dachverband der Schweizer Akkordeon-Szene.[20] Er setzt auf Nachwuchs, Bildung und Interessenvertretung.[20]

Der Schweizerische Tambouren- und Pfeiferverband vereint vier Regionalverbände. Darin sind 174 Tambouren- und Pfeifervereine.[21]

Die Schweizerische Trachtenvereinigung ist ein volkskundlicher Dachverband.[22] Fachkommissionen kümmern sich um Volkslied und Volkstanz.[22]

Welchem Verband dein Verein angehört, weiss der Vorstand.

Wer vertritt die Branche?

Der Schweizer Musikrat ist die Dachorganisation der Musik in der Schweiz.[23] Stand Oktober 2026 hat er 52 Mitgliedsorganisationen.[23] Über sie vertritt er mehr als 600'000 Musizierende.[23]

Die Labels haben eigene Verbände. IFPI Schweiz ist der Branchenverband der Schweizer Musiklabels.[24] Dort gibt es auch ISRC-Codes für Aufnahmen.[24] IndieSuisse vertritt seit 2014 unabhängige Labels und Produzent:innen.[25]

Die SMPA ist der Verband der grossen Konzert-, Show- und Festivalveranstalter.[26] Ihre Mitglieder verkaufen rund 80 Prozent dieser Tickets in der Schweiz.[26]

Die SVMV vertritt die Musikverlage.[27] Mitglieder erhalten pro Jahr eine halbe Stunde Rechtsberatung.[27]

Das Forum Filmmusik vernetzt Leute, die Musik und Sounddesign für Film machen.[28] Mitglieder nutzen einen Kostenrechner für Filmmusik-Budgets.[28]

HelvetiaRockt setzt sich für die Gleichstellung aller Geschlechter in der aktuellen Musik ein.[29] Der Verein fördert und vernetzt professionelle Musiker:innen.[29]

Bei der sozialen Absicherung hilft Suisseculture Sociale. Ihr Sozialfonds unterstützt professionelle Kulturschaffende in finanziellen Notlagen.[30] Ihr Online-Ratgeber Artists Take Action beantwortet Fragen zur sozialen Sicherheit.[30]

Was das konkret heisst

Ein Teil der Förderung stammt aus den Einnahmen der Verwertungsgesellschaften. Die SUISA nimmt Geld für Aufführungs- und Senderechte ein. Von 100 Franken davon bekommt die Fondation SUISA 2,50.[5] Bei Swissperform gehen 10 von 100 Franken an Kultur und Soziales.[13] Aus diesem Topf lebt unter anderem die SIS.[8] Zehn Prozent der Vergütungen der Tonträgerproduzenten gehen an die Kulturförderung.[9] Daraus speist sich die Stiftung Phonoproduzierende.[9] Wer ein Gesuch stellt, holt also Geld aus dem Topf der Branche. Wer wo sitzt, zeigt das Verzeichnis.

Verbände und Förderstellen im Verzeichnis ansehen

Muss ich Mitglied der SUISA werden?

Die SUISA empfiehlt die Mitgliedschaft, wenn deine Werke öffentlich gespielt, aufgeführt oder gesendet werden. Mitglied wirst du mit einem Wahrnehmungsvertrag. Danach zieht die SUISA Geld ein, wenn deine Musik gesendet, aufgeführt oder vervielfältigt wird.

Was ist der Unterschied zwischen SUISA und Swissperform?

Die SUISA vertritt Urheber:innen und Verleger:innen, also die Rechte an Werken. Swissperform vertritt die Leistungsschutzrechte von Interpret:innen, Labels, Filmproduzierenden und Sendern. Wer eigene Songs schreibt und selbst spielt, kann bei beiden Ansprüche haben.

Wo finde ich alle Förderstellen auf einen Blick?

Die Datenbank kulturfoerderung.ch verzeichnet Förderadressen aus dem privaten und öffentlichen Sektor. Sie ist ein Angebot des Bundesamts für Kultur und des Migros-Kulturprozent. Du kannst nach Sparten wie Jazz, Klassik oder Rock/Pop/Chanson suchen.

Unterstützt Pro Helvetia eine Tour durch die Schweiz?

Nein. Pro Helvetia kann aber Auftritte in anderen Sprachregionen unterstützen, wenn sie an bedeutenden Festivals oder Veranstaltungen stattfinden. Das Gesuch reicht in der Regel der Veranstalter ein.

Sind die Honorarempfehlungen von SONART verbindlich?

Nein. SONART nennt sie ausdrücklich Empfehlungen und keine verbindlichen Mindestgagen. Sie dienen als Orientierung, Kalkulationshilfe und Verhandlungsgrundlage, etwa für Konzerthonorare oder Budgets in Fördergesuchen.